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Pressemeldungen der Behörden  ·  28. Januar 2026

70 % mehr Datenschutzbeschwerden: Niedersachsen erlebt 2025 ein Rekordjahr – auch wegen KI-Chatbots

2025 ist für den Datenschutz in Niedersachsen ein Ausnahmejahr – und zwar nicht, weil weniger passiert ist, sondern weil mehr Menschen hinschauen. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen (LfD) berichtet von 4.022 Datenschutzbeschwerden im Jahr 2025. Das sind 70 Prozent mehr als 2024 (2.361 Beschwerden) und sogar deutlich mehr als in den bisherigen Rekordjahren während der Corona-Pandemie (2020: 2.479; 2021: 2.538). Einen ähnlichen Trend stellten laut LfD auch Datenschutzaufsichtsbehörden anderer Bundesländer fest.

Was steckt hinter diesem sprunghaften Anstieg? Die Pressemeldung nennt zwei zentrale Treiber: Erstens wächst das Interesse vieler Bürgerinnen und Bürger an ihren Datenschutzrechten – etwa daran, wer welche Daten verarbeitet, wie lange Daten gespeichert werden oder ob eine Überwachung zulässig ist. Zweitens verändert Künstliche Intelligenz ganz praktisch den Weg zur Beschwerde: In Suchmaschinen integrierte KI-Chatbots weisen bei Datenschutzfragen offenbar häufig direkt auf die Möglichkeit hin, eine Beschwerde an die zuständige Datenschutzbehörde zu senden – und liefern teilweise sogar fertige Textvorschläge für Anschreiben.

Dass KI dabei nicht nur informiert, sondern aktiv die „Eintrittsschwelle“ senkt, zeigt sich laut Behörde sogar in den eingereichten Schreiben: Einige Beschwerden enthalten Überbleibsel aus der Kommunikation mit KI-Chatbots. Das ist ein bemerkenswerter Nebeneffekt der aktuellen KI-Welle: Wo früher erst recherchiert, abgewogen und formuliert werden musste, reichen heute wenige Fragen – und ein Chatbot liefert Struktur, Argumente und Formulierungen. Für Betroffene kann das entlastend sein. Für Aufsichtsbehörden bedeutet es: mehr Fälle in kürzerer Zeit.

Worum geht es in den Beschwerden?
Ein Blick auf die Themen zeigt, dass Datenschutz oft sehr alltagsnah ist. Einen besonders großen Anteil machen 2025 Beschwerden zur Videoüberwachung im privaten Bereich aus: Über 750 Beschwerden drehen sich um Kameras, die so ausgerichtet sind, dass sie Nachbargrundstücke oder öffentliche Bereiche mitfilmen. Gerade hier prallen Sicherheitsgefühl, Eigentumsrechte und Privatsphäre unmittelbar aufeinander. Häufig entstehen Konflikte, wenn die Kamera nicht nur die eigene Haustür, sondern auch Teile von Gehweg, Straße oder Garten der Nachbarn erfasst.

Im wirtschaftlichen Bereich fällt laut LfD vor allem ein starker Anstieg bei Beschwerden rund um Inkasso und Auskunfteien auf. Dahinter können Fragen stehen wie: Ist die Forderung korrekt? Wurde ich zu Recht gemahnt? Welche Daten werden an Dritte gemeldet? Daneben hat sich auch die Zahl der Beschwerden gegenüber der Wohnungswirtschaft und dem Einzelhandel deutlich erhöht.

Neu ist außerdem ein weiterer Marker für die Gegenwart: Erstmals verzeichnet die niedersächsische Datenschutzaufsicht 20 Beschwerden gegen Betreiber von KI. Das zeigt, dass KI-Systeme nicht nur ein Werkzeug sind, das Beschwerden erleichtert, sondern zugleich selbst zum Gegenstand von Beschwerden werden kann – etwa, wenn Menschen sich durch KI-gestützte Entscheidungen, Profiling oder unklare Datenquellen benachteiligt fühlen.

Nicht nur Beschwerden: mehr Meldungen und mehr Beratungsbedarf
Parallel zu den Beschwerden steigen auch andere Fallzahlen. Die Meldungen von Datenschutzverletzungen – also etwa Vorfälle, bei denen personenbezogene Daten durch Hackerangriffe oder Fehler in falsche Hände geraten – nahmen 2025 um 5 Prozent zu: von 1.528 (2024) auf 1.607 (2025). Unternehmen und öffentliche Stellen sind verpflichtet, solche Verletzungen zu melden, wenn entsprechende Risiken bestehen.

Auch die Beratungsanfragen legten zu: um 20 Prozent von 764 auf 917. Das passt zum Gesamtbild: Datenschutz wird sichtbarer, komplexer und für viele Akteure wichtiger – von Privatpersonen bis zu Unternehmen.

Eine gute Nachricht – mit organisatorischem Haken
Denis Lehmkemper, der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen, ordnet den Trend ambivalent ein: Es sei „zunächst einmal eine gute Nachricht“, dass Bürgerinnen und Bürger leichter Zugang zu Informationen und Beschwerdemöglichkeiten finden. Gleichzeitig stellt der starke Anstieg die Behörde vor Herausforderungen.

Die Reaktion: Der LfD will den digitalen Beschwerdeprozess weiter optimieren und bemüht sich darum, die personellen Kapazitäten für die Fallbearbeitung zu erhöhen. Das Ziel bleibt, Bürgerinnen und Bürger „so schnell wie möglich“ beim Datenschutz zu unterstützen. Hinter dieser Formulierung steckt eine sehr konkrete Aufgabe: Wenn Beschwerden zunehmen, darf die Bearbeitungszeit nicht aus dem Ruder laufen – sonst verliert der Datenschutz seine praktische Wirkung.

Blick nach vorn: 2026 dürfte nicht ruhiger werden
Als ob der „Normalbetrieb“ nicht schon anspruchsvoll genug wäre, wachsen die Anforderungen an Datenschutzbehörden auch durch neue Gesetzgebung auf EU-, Bundes- und Landesebene. Die Pressemeldung nennt beispielhaft neue Aufgaben durch die Umsetzung des bundesweiten Gesundheitsdatennutzungsgesetzes (GDNG).

Dazu kommt ein politisch sensibles Feld: die EU-Verordnung zu Wahlwerbung im Internet und in Social Media samt Kennzeichnungspflichten. Mit Blick auf die Kommunalwahlen am 13. September 2026 in Niedersachsen erwartet der LfD erhöhten Beratungsbedarf und mehr Beschwerden. Wahlwerbung, Targeting, Datenquellen und Transparenz – all das ist prädestiniert dafür, datenschutzrechtliche Fragen aufzuwerfen.

Was Sie als Betroffene*r konkret tun können
Der Rekord bei Beschwerden ist auch ein Hinweis darauf, dass viele Menschen unsicher sind, was erlaubt ist – und was nicht. Drei praktische Tipps für den Datenschutz-Alltag:

1) Dokumentieren Sie den Sachverhalt: Screenshots, E-Mails, Vertragsunterlagen oder (bei Videoüberwachung) Fotos der Kameraposition helfen, den Vorgang nachvollziehbar zu machen.
2) Klären Sie zuerst direkt: Oft lässt sich ein Problem lösen, wenn Verantwortliche die Verarbeitung erklären, Daten berichtigen oder eine Kamera anders ausrichten.
3) Wenn Sie KI-Tools zum Formulieren nutzen: Prüfen Sie den Text. Entfernen Sie Chatbot-Reste, stellen Sie Fakten klar und vermeiden Sie unbelegte Behauptungen. Ein gutes Anschreiben ist konkret, sachlich und belegt.

Fazit
Die Zahlen aus Niedersachsen sind mehr als Statistik: Sie zeigen, dass Datenschutz in der Breite angekommen ist – und dass digitale Helfer wie KI-Chatbots das Verhalten vieler Menschen verändern. Das kann Empowerment bedeuten, gleichzeitig aber auch neue Belastungen für Behörden. Entscheidend wird sein, ob Aufsicht, Beratung und effiziente digitale Prozesse Schritt halten. Denn Datenschutz ist nur so gut wie seine praktische Durchsetzung.

Angaben zum Beitrag
Verfasser/Autor: Erik Delfs mit KI/AI Unterstüzung
Quellenangaben/Originale Meldung: https://www.lfd.niedersachsen.de/startseite/infothek/presseinformationen/datenschutzbeschwerden-auf-rekordniveau-70-prozent-anstieg-in-niedersachsen-248157.html
Bildquelle: KI/AI
Diese Pressemitteilung als PDF-Download: https://www.lfd.niedersachsen.de/download/225259

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